Soziobiologie


Soziobiologie
Soziobiologie, neuere Forschungsrichtung, die den Anpassungswert des Sozialverhaltens von Mensch und Tier und seine phylogenetische Entstehung untersucht; sie erklärt ein Verhalten aufgrund seiner Bedeutung für die Erhöhung der Fitness, also des Beitrags, den ein Individuum zum Genbestand der folgenden Generationen seiner Population leistet. Eine möglichst große Gesamtfitness erreicht eine Population, wenn die Einzelindividuen sich selbst fortpflanzen (direkte Fitness) oder wenn sie den Fortpflanzungserfolg naher Verwandter unterstützen (indirekte Fitness). Altruismus, also Handlungen, die die eigene direkte Fitness verringern, die anderer Individuen jedoch erhöhen, kann sich u.U. auf die Gesamtfitness günstig auswirken, wenn die altruistischen Handlungen nahen Verwandten zugute kommen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist das altruistische Verhalten der dauerhaft sterilen Arbeiterinnen bei den eusozialen Hymenopteren ( Insektenstaaten). Da die Königin diploid ist, die m jedoch haploid, haben alle Nachkommen der Königin den identischen väterlichen Allelbestand, während sie den mütterlichen Allelbestand zur Hälfte gemeinsam haben. Daraus folgt, dass die f, die aus befruchteten Eiern stammen, untereinander enger verwandt sind als mit ihren Brüdern und als mit eigenen Kindern. Folglich mehren die Arbeiterin-
nen ihre Gesamtfitness, wenn sie auf eigene Nachkommen verzichten und lieber ihre indirekte Fitness durch Aufzucht ihrer Schwestern fördern. In einem solchen Fall spricht man von Verwandtenselektion. Bei dieser bildet die Gruppe der miteinander verwandten Individuen eine Selektionseinheit. Die S. stellt wie in diesem Fall in einer Nutzen-Kosten-Analyse dem evolutiven Nutzen eines Verhaltens die evolutionären Kosten gegenüber und gelangt so zu quantitativen Aussagen darüber, welche Verhaltensweise den größten Anpassungswert hat.

Deutsch wörterbuch der biologie. 2013.